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Neues wagen und Altes nicht lassen
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Neues wagen und Altes nicht lassen

Frankfurter Pastoralgespräch zur Zukunft der Gemeindekirche

Wenigstens in der Diagnose herrschte Einigkeit an diesem Abend im Frankfurter Haus am Dom: Die Gemeindekirche, mit der die meisten Katholiken in den vergangenen Jahrzehnten aufgewachsen oder alt geworden sind, ist an ein Ende gekommen. Doch wie es weitergehen soll mit Pfarreien, die immer weniger Gläubige erreichen, mit getauften Christen, denen ein Gottesdienstbesuch im Jahr oftmals genügt, Kommunionkindern, die nach dem Weißen Sonntag nicht mehr gesehen waren, oder Brautleuten, die sich von der kirchlichen Trauung vor allem ein romantisches Fest erwarten, darüber gingen die Meinungen sehr auseinander.

Mehr als 140 Menschen waren am Freitag, 28. April, zum Frankfurter Pastoralgespräch gekommen: Gelockt hatte der katholische Priester Thomas Frings aus Münster, der vor einem Jahr sein Pfarramt aufgab und sich in ein Kloster zurückzog, weil er glaubte, nicht genügend zu erreichen für seine Kirche, der aber trotzdem sagt, Priester zu sein sei etwas Wunderbares, das er nicht missen möchte. Im Gespräch mit dem Frankfurter Pfarrer Werner Portugall von der Pfarrei St. Jakobus und dem Priester und Pastoraltheologen Wolfgang Beck von der Jesuitenhochschule Sankt Georgen suchte er auszuloten, wie es weitergehen kann mit der Gemeindekirche.

Kirche muss den Menschen dienen 

Dabei betonte Frings vor allem, dass vieles, was heute in den Gemeinden angeboten werde, wenig mit dem Leben der Kirchenmitglieder zu tun habe. Die hauptamtlichen Kräfte würden zu wichtig genommen, die getauften Christen zählten eigentlich nicht, die Kirche habe sich allzu weit von der Wirklichkeit der Menschen, und nicht nur der katholischen, entfernt. Dem hielt der Pastoraltheologe Beck entgegen, dass die Kirche gerade hauptamtliche Mitarbeiter dringend brauche, damit sie den Menschen dienen könne. Dieser Dienst dürfe aber nicht nur dem eigenen Grüppchen zu Gute kommen, sondern allen Menschen: „Das Schlimmste, was passieren kann, ist Kirche zu klein zu denken und nur die im Blick zu haben, die wir für richtig katholisch halten“, hob er hervor. „Wir müssen auch Pfarrer sein für die, die nur mal reingucken wollen. Sie alle sind auf der Suche.“

Einen „Tempel nur für die Eingeweihten, für die `Clubmitglieder`“, empfindet auch Pfarrer Portugall als „beklemmend“. „Wir dürfen Menschen nicht schnell abwerten und abwehren“, hob er hervor und forderte von allen hauptamtlichen Mitarbeitern, sich eine Haltung der Freundlichkeit zu bewahren. Aus seiner Praxis in einer großen Pfarrei neuen Typs mit 11.000 Katholiken berichtete er, dass es wichtiger sei, die Gläubigen erst einmal zu Visionen und neuen Ideen zu ermutigen als zuerst die gewachsenen Strukturen einzureißen. Mit innovativen Ideen könne man auch anderen Mut machen, die sich eher als Verwalter und Bewahrer sehen. Dabei müsse nicht jeder überzeugt sein, dass neue Wege auch die besseren seien, trotzdem sollten die gestärkt werden, die etwas Neues wollen. Neues will auch Priester Frings, unter der Voraussetzung, dass die Kirche „kompatibler wird mit den Menschen“ und von einer versorgten zu einer sorgenden Gemeinde wird. (dw)