Kategorien &
Plattformen
Bistum setzt 2018 Perspektivsuche fort
Bistum setzt 2018 Perspektivsuche fort
© Bistum Limburg

Bistum setzt 2018 Perspektivsuche fort

Traditioneller Neujahrsempfang auf dem Limburger Domberg

Das Bistum Limburg will das Jahr 2018 nutzen, um weiter nach Perspektiven für die Zukunft der Kirche zu suchen. Dies haben Bischof Dr. Georg Bätzing und Generalvikar Domkapitular Wolfgang Rösch beim traditionellen Neujahrsempfang der Diözese deutlich gemacht. Mehrere hundert Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche waren dazu am Sonntag, 21. Januar, auf den Domberg nach Limburg gekommen.

"Wir leben in einer Zeit voller Ambivalenz. Einerseits erleben wir große Wachstumszahlen in der Wirtschaft. Andererseits machen wir die Erfahrung einer großen Umbruchssituation, die mit Verunsicherungen, Ängsten aber auch mit einer Perspektivsuche verbunden ist", sagte Generalvikar Domkapitular Wolfgang Rösch. Der Kirche gehe es da ähnlich wie anderen gesellschaftstragenden Institutionen wie etwa Parteien, Verbänden, Gewerkschaften oder auch Medienunternehmen. Die Gesellschaft brauche verlässliche Institutionen und Träger mit Werthaltungen und habe den Menschen viel zu geben. Dies werde jedoch von immer weniger Menschen so gesehen.

Die Suche nach der Therapie geht weiter

Auch deshalb stünden die Zeichen ganz klar auf Wandel und Veränderung. Es gelte, Vertrauen durch Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit neu aufzubauen. Dies sei aber nicht die alleinige Lösung. "Die Suche nach der Therapie ist noch nicht abgeschlossen", so Rösch. Es gebe keine Patentrezepte dafür, wie sich Umbruchssituationen gut bewältigen lassen. Zielvorgaben, wie es sie etwa in der Wirtschaft gebe, seien nicht schlecht, könnten das Problem aber nicht lösen. Vielmehr sei eine Lösung mit der Frage nach grundsätzlichen Haltungen verbunden. Haltungen, das entdecken, wiederbeleben und neu erlernen sei für die Kirchenentwicklung ein absolutes Muss. "Die Sehnsucht nach Veränderung in unserer Kirche und in unserem Bistum ist groß. Wir hoffen auf einen Kultur- und Perspektivwechsel und wollen ihn befördern", sagte der Generalvikar. Deshalb werde der Prozess der Kirchenentwicklung, für den aktuell ein neuer Name gesucht wird, und der immer mehr inhaltlich gefüllt werde, unbedingt weitergehen. "Wir müssen miteinander in einen geistlichen Austausch kommen", so Rösch. Kirche sei kein Selbstzweck und es gehe nicht darum, Menschen zu fangen, damit die Kirchenbänke wieder voll seien. Es gehe vielmehr darum, den Menschen aufzuzeigen, dass Gott sie berühren will und der Glaube eine Option für ihr Leben sein kann. Aus dieser Erfahrung heraus, werde Gesellschaft neu gestaltet.

Verschiedene Perspektiven auf die Zeit

Vor dem Empfang im Konradinerkeller des Bischofshauses mit der Neujahrsansprache des Generalvikars nahm Bischof Dr. Georg Bätzing in seiner Predigt im Pontifikalamt im Limburger Dom verschiedene Perspektiven der Zeit in den Blick. "Zeit spielt in unserem Leben eine große Rolle. Natürlich, Sie ist ja auch ein begrenztes Gut. So wichtig wie Leib und Geist, in denen sich unsere Freiheit entfaltet und unsere Grenzen zeigen", sagte Bätzing.

Heute habe kaum noch jemand Zeit. Sie sei nicht mehr Weite und Chance. Zeit sei vielmehr getaktet, und der Mensch ordne sich brav dem Rhythmus unter. "Keine Zeit haben bedeutet nämlich: Ich bin wichtig. Mich braucht jemand. Ich spiele noch mit. Lieber Stress haben, als die Zeit totschlagen", sagte der Bischof. Dies sei jedoch zu kurz gegriffen und führe dazu, dass keine Zeit für existenzielle Lebensfragen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben zur Verfügung stehe.

Mit Jesus gewinnt die Zeit eine neue Qualität

Zeit spielt auch im Kontext der Biblischen Erzählungen und Überlieferungen eine wichtige Rolle. Paulus formuliere im Korintherbrief "Die Zeit drängt" und macht damit deutlich, dass die ersten Christen dieses Zeitverständnis hatten, da sie damit rechneten, dass der Herr wiederkommt, um die Lebenden und die Toten zu richten. Wenn Menschen heute die Zeit als drängend, verdichtet und kurz erleben, habe das jedoch einen ganz anderen Grund: "Für unsere Zeitgenossen gibt es nur diese Zeit, die wenigen Lebensjahre als einzige Chance. An eine Ewigkeit glauben sie nicht", so der Bischof. Es werde also dringlich, alles auszuschöpfen und mitzunehmen, was nur irgendwie geht.

Bei Jesus selbst klinge "Die Zeit ist erfüllt", nicht nach Druck und Dringlichkeit, sondern wie eine Einladung. "Es ist eine Einladung ganz bei sich zu sein und so ganz nah bei Gott zu sein", so der Bischof. Mit Jesus gewinne die Zeit eine neue Qualität, eine neue Mitte, ein neues Empfinden. "Wichtig ist seither Da-sein und Bei-Jesus sein. Alles andere wird relativ für den, der glaubt", erklärte Bischof Georg.